Ein Tellkamp

Das wird wohl eine zukünftige Einheit für maximal intellektuell geweihte „freie Meinung“, bei der der Grat zum Ressentiment zu fein ist, als das er für intellektuell eher normal begabte Bürger deutlich zu erkennen ist.

Das hat nix mit dem Velo zu tun. Es geht mal wieder um die §§4 und §§5 aus dem GG. Was der Schriftsteller gesagt hat, kann man an diversen Stellen nachlesen, relativ nüchtern hier. Nächstes Jahr wird die Republik 70 Jahre alt und die Mauer der ehemaligen DDR ist dann 30 Jahre nicht mehr bestehend. Wir haben nichts besseres zu tun, als von Religionen zu reden, die mit dem GG unvereinbar seien (das sind, ganz genau besehen, alle monotheistischen Religionen, alle! Wer jemals Leibowitz gelesen und verstanden hat, weiß das.) und von „gleichgeschalteten Meinungskartellen“ zu fabulieren. Echt getz?!

Ein guter Schriftsteller schreibt gute Bücher. Diese Bücher werden auch selten bis nie entwertet dadurch, dass ihr Autor ein Mensch ist, der in seinen sonstigen Äußerungen den Mitmenschen nicht unbedingt zugänglich ist, vielleicht sogar befremdlich oder abstoßend. Das war und ist mindestens seit den antiken Griechen so. Erstaunlich ist allerdings, wie sehr sich andere bereit sind zu empören, anstatt kühl und sachlich zu sagen: Das Grundgesetz gilt. JedeR, auch ein Schriftsteller, darf (fast) jeden Unsinn öffentlich verzapfen. Meinungsfreiheit darf man ausüben, veröffentlichen, alles. Dafür muss man sich aber auch anderes gefallen lassen, zum Beispiel sich sagen zu lassen, dass Meinungsfreiheit häufig auch Ahnungsfreiheit bedeutet. Wer sich als Intellektueller versteht und seine Weltsicht vor Publikum (!) ausbreitet, sollte wenigstens mal über Foucault und „L’ordre du discours“ nachdenken und vielleicht auch noch über die Begrifflichkeit von „Macht/Wissen“. Wer stattdessen beleidigte Zitate wiedergibt wie:

„Meine Meinung ist geduldet, aber erwünscht ist sie nicht.“

der soll sich nicht wundern, wenn man ihn für einen pseudointellektuellen Pausenclown hält. Den kann man auch nicht zu jeder Zeit an jedem Ort haben. Manchmal ist es besser die Dinge zu tun, die man kann, richtig kann.

 

 

p.s.: Für alle die glauben, dass Einwanderung von Menschen mit „fremder“ Religion ein völlig neues, gegenwärtiges Problem darstellt, eine kleine Anmerkung. Die Kanäle des Schloß Nymphenburg in München und seine bauliche Erweiterung unter Max II „durfte“ im Wesentlichen von osmanischen (türkischen) Gefangenen vorgenommen werden, die man bei den Türkenkriegen vor Wien „eingesammelt“ hat. Die Türkenstraße in München hat daher ihren Namen, an dieser Stelle befand sich das Ghetto der Gefangenen. Das ist jetzt gut 300 Jahre her.

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