Monopole, Wettbewerb, Glaubenssachen

Dieser Beitrag ist eigentlich nicht wirklich relevant, genau genommen sogar überflüssig, denn er behandelt ein Thema, zu dem es seit Jahrzehnten (fast) nichts Neues zu sagen gibt. Wir tun es trotzdem, auch wenn wir riskieren, dass der Erkenntniswert gegen Null sinken wird.

JedeR RadlerIn braucht für seine Fortbewegung ein Velo und als solches ist ein Radlersmalltalk häufig ein Gespräch ums Material, genauer: Shimano oder nicht?

Die kleine Eisenfirma aus Osaka in Japan, gegründet 1921 und beschäftigt etwa 12.000 Mitarbeiter, hat abseits des Geschäftsfeldes Angeln und Fischen noch das Standbein der Velokomponenten. Zu behaupten, sie wären in diesem Segment Marktführer ist eine recht nüchterne Beschreibung, der Marktanteil dürfte irgendwo zwischen 80% und 90% liegen, Mitbewerber dürfen froh sein, wenn Kunden im Geschäft nicht gleich fragen „Wasnditte?!„, wenn ihr Name genannt wird. Dennoch gibt es sie natürlich.

Als traditionsreiches Unternehmen besonders für Rennvelocipisten gilt der italienische Hersteller Campagnolo. Nominell jünger als das Pendant aus Japan, gegründet 1933, waren sie allerdings schon ein paar Jahre länger im Geschäft mit Komponenten für das Fahrrad, bevor man in Osaka anfing, den Markt für sich zu entdecken und aufzurollen. Die Firma ist deutlich kleiner (rund 700 Mitarbeiter) und hat sich nach einigen Versuchen mit Höhen und Tiefen letztlich dem Rennsport verschrieben. Wenn wir der Unternehmensselbstdarstellungsprosa glauben dürfen, geht es der Firma dennoch wirtschaftlich gut, wobei es hilfreich ist, das sog. Rennfahrerlegenden wie Fausto Coppi mit dem Material aus Vicenza eine Menge Siege eingefahren haben.

Eher neu, teilweise recht amerikanisch, aber mit einem immer noch erhaltenen deutschen Kern ist SRAM. Die Keimzelle des Unternehmens bildete GripShift 1987, ein Schaltgriff, der sich mit dem Lenkergriff integrieren ließ, mit praktisch allen gängigen Schaltungen kompatibel war und dessen Mechanik einfach und robust war (darüber gehen die Meinungen schon auseinander…). Durch Zukäufe, unter anderem Sachs, Avid, RockShox, Truvativ, Zipp u.v.a. wurde daraus mit der Zeit ein Komplettanbieter von Radkomponenten mit gut 2700 Mitarbeitern.

Natürlich gibt es noch weitere Hersteller, wie z.B. Acros, die eine hydraulisch betriebene Schaltung anbieten, oder die Getriebesysteme von Rohloff und Pinion, die oben genannten sind aber letztlich die „großen Drei“, die den Markt bis auf ein paar Restkrümel zu 97%-99% unter sich aufteilen, quantitativ besehen. Das führt in vielen Gesprächen unter RadlerInnen zu der Frage: Womit fährst du? Ist es besser als Shimano oder nicht?

 

Das kann man(n) nur subjektiv beurteilen: Ich fahre Shimano und es ist beileibe alles andere als schlecht. Das Zeug ist überwiegend gutes Handwerk. Zu dem Zeitpunkt aber, als die Kettenschaltungen auf 10fach-Kassetten umgestellt wurden und mit einem Mal MTB- und RR-Komponenten nicht mehr ohne Tricks untereinander kompatibel waren, genau da wurde der Autor experimentierfreudig und erinnerte sich an einen Satz aus seinem alten MTB-Laden, als dort zwei echte Phreaks philosophierten über Schalttechnik und zum Schluß kamen: X0 oder Rohloff. Sonst nix. Das erste Ergebniss dieses Experiments war der Randonneur, ausgestattet mit einer 2×10-Schaltung von SRAM, einem XX/RED-Mix. Nächster Experimentierschritt wird das Alltagsrad in seiner neuen Ausprägung sein, hier mit einer X0 mit GripShift und 3×10 Gängen, einfach weil die Kurbel zum tauschen noch viel zu schade ist.

Und??? Wie isses nu? Anders. Für das persönliche Gefühl besser. Allerdings: Damit es wirklich gut funktioniert, muss das Zeug nicht nur gut montiert, sondern v.a. gut eingestellt sein, dann aber würde ich schon sagen: Beim System Kettenschaltung ein Traum. (OK, ein Campagnolo-Rad wurde schon ewig nicht mehr gefahren und ein Aufbau mit gegenwärtigen Teilen ist zwar geplant aber noch lange nicht gemacht).

JedeR, der sich die Frage stellt „was gibt es noch?„, soll sich dazu ermuntert fühlen: Probiere es aus!

Advertisements

4 Antworten zu “Monopole, Wettbewerb, Glaubenssachen

  1. Ich hatte zwar noch keine Campagnolo in den Finger, aber Sram funktioniert auch. Bin da also mehr Praktmatiker und nicht auf ein Label fixiert. Soll bedeuten, wenn ich ein Bike mit einer Sram-Gruppe bekommen würde, würde ich es nicht ablehnen.

    Eine Campagnolo wäre mal „was für schön“, wie man so sagt. Wenn da nicht die Aufgabenstellung der Liquidität wäre…

    • Campa geht bei mir finanziell auch nur gebraucht, bis auf so Teile wie Ketten, Innenlager, etc. Was alles funktioniert ist ja „nur“ das Eine, ob es einem überhaupt gefällt, noch einmal das Andere.

      • Naja optisch sollte es auch schon passen. Ich mag zB. diese neuen japanischen Krubeln nicht. Iss mir einfach zu glatt-gelutscht.

  2. Optik ja und nein. Generell isses mir nicht wichtig. Im Moment aber wird teilweise ein Design vertreten, dass auf „bewusste Hässlichkeit“ setzt. Das ist weder besonders funktoinal noch besonders leicht und dann fängt es an mich doch zu stören….

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.