Wieder mal Utopistan

Genau, wir stellen uns mal wieder vor, was passiert eigentlich, wenn der vieldiskutierte „heisse Scheiss“, den uns so mancher gerne andrehen möchte, wirklich wahre Wirklichkeit wird. Aus aktuellem Anlaß, weil gerade das Gesetz für die entsprechende Fahrzeugkategorie beschlossen werden soll.

Heute: Das selbstfahrende Fahrzeug mit „Drive-by-wire“. Wasn das jetzt schon wieder?!

Sie kennen das: Wir armen Velocipisten, die wir nicht mit einem Tandem unterwegs sind, müssen praktisch immer unsere Hände am Lenker haben, damit wir bremsen und eben lenken können. Kein Smartphone, keine Zeitung lesen, nicht mal gescheit mit den mitfahrenden Kindern unterhalten kann man sich. Die schöne neue Welt des globalen und digitalen Kapitalismus hat da aber schon die Lösung für die parat: Das selbstfahrende Fahrzeug. Mit „drive-by-wire“!

BOAH!

©Daimler AG

©Daimler AG – Immer schön die Hände stillhalten…

Keine Diskussionen mehr mit verängstigten Beifahrern, nie mehr mit dem Taxifahrer streiten und der tote Winkel ist dank Rundum-Kameras gleich mit abgeschafft. Tolltolltoll! Die Welt ist schön, die Technik praktisch und dem Menschen dienlich. Endlich kann man seine überflüssigen Posts auf Facebook in Ruhe lesen… Und dank des total neuen „drive-by-wire“ kann der KFZ-Lenker nicht einmal eine Fehleingabe machen, sondern nur das was der Verkehrssituation sinnvoll und angemessen ist.

Allein: Das wird es vorerst nur auf Autobahnen geben. Warum? Weil nur da die Komplexität der Verkehrssituationen als einigermaßen beherrschbar angesehen wird. Lassen wir das aber mal für einen Moment beiseite und stellen uns vor, alle Autos könnten das jetzt schon. Was würde das ändern? Nun, ein wenig würde vermutlich der globale Spritverbrauch sinken. Und sonst? Der eine oder andere KFZ-Lenker mag wirklich entspannter ankommen. Mehr nicht? Naja, wenn wir die Anzahl der KFZ zum Zeitpunkt X nehmen, durch die Kapazität Y der genutzten Strassen teilen kommt am Ende immer noch der gleiche Stau heraus. Daran ändert sich erst einmal gar nichts. Zumal eine Frage bei allem im Raum schwebt: Was ist mit den KFZ und ihren LenkerInnen, die nicht selbstfahrend unterwegs sind? Oldtimer zum Beispiel. Das Ganze ist also ein relativ schlichtes Werbekonstrukt für den Status Quo. Selbst das vielbesungene „Drive-by-wire“ ist konzeptionell schon recht alt und zudem aufwendig zu realisieren und wie wir am Beispiel der Abgasmessungen gelernt haben, ist das etwas, was man in der Industrie gerne vermeidet, geht ja auch nicht ständig um Leben oder Tod, wie im Flugzeug.

Und außerdem: Was geht das uns Velocipisten an? Nun, solange man die Millionen KFZ-BesitzerInnen glauben macht, mit ein bisschen Technik hier und da könnte alles so bleiben wie es ist, so lange wird das Wort „Mobilität“ weiterhin mit dem KFZ gleichgesetzt bleiben. Umdenken aber, muss im Kopf stattfinden oder es findet gar nicht statt.

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Eine Antwort zu “Wieder mal Utopistan

  1. Wie oft ist hat mein Computer (still stehend, bei Raumtemperatur) oder mein Smartphone im letzten halben Jahr nicht genau das gemacht, was ich wollte, oder auch mal gar nichts? Und davon soll ich mich rumkutschieren lassen?! Und wer betreibt denn die ganzen GPS-Satelliten? Ein Freund oder langjähriger Geschäftspartner? Das wird lustig.

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