Velo fahren und Macht

Neinnein, keine Angst, das wird kein sozialwissenschaftliches Seminar, nicht mal in Kleinform.

Es ist lediglich so, dass wir, wie viele andere VelocipistInnen, Artikel lesen über Städte, Regionen und Ländern in denen es mit dem Velofahren als integrierte Möglichkeit der Alltagsmobilität schon sehr gut klappt. Und schon erwischt man sich selbst bei der Frage: Warum klappt das nicht hier, vor meiner Haustür?

Ganz einfach: Es geht um Geld. Und wenn es um Geld geht, dann geht es um Macht. Da darf man keinesfalls naiv sein. Wer zahlt, bestimmt was gepsielt wird, lautet eine Volksweisheit. Da viele KFZ-LenkerInnen für ihr Gefährt durchaus stattliche Summen bezahlen, leiten sie daraus den Imperativ ab, bestimmen zu wollen was und wo gebaut werden soll. Je nach Land reden wir hierbei von der Hälfte bis zu zwei Dritteln der jeweiligen erwachsenen Bevölkerung. Das sind Wählerstimmen, da beisst die Maus keinen Faden ab, so funktioniert bisweilen Demokratie. Die Gewählten wollen dem Wahlvolk etwas bieten und dieses will nicht selten mit dem KFZ von A nach B kommen (und nach C und D).

Damit sind wir dann beim Paradox des oben verlinkten Artikels angekommen: „Man darf das Autofahren nicht verbieten“
Richtig. Und wir ergänzen:
Man muss zeigen wo es sich lohnt.

Ein KFZ spielt seine Vorteile bei Entfernungen zwischen 50 km und etwa 350 km zumeist deutlich aus. Es ist zudem eine grob unterschätzt Tatsache, dass das Gros der Berufspendler im KFZ solche Streckenlängen nicht zurücklegen. Es ist also unser aller Aufgabe im Nahbereich zwischen Wohnen und Arbeiten (weniger als 15 km einfache Strecke) möglichst attraktive Wege für VelonutzerInnen  und Fussgänger und öpv zu schaffen und zwar mit Geld. Nur dann wird das verbleibende Geld für die KFZ sinnvoll eingesetzt, damit die Strecken, die wirklich KFZ geeignet sind, gut bewältigt werden können.

Der Rest ist – zu viel. Da gibt es nichts zu wollen und nichts zu verteidigen. Letztlich aber, müssen wir alle einen Schritt zurücktreten, denn wir (fast) alle sind auch KFZ LenkerInnen, zumindest zeitweise. Es gibt kein Recht auf eine Forbewegung per KFZ, sondern es gilt die Freiheit der Person ohne Nennung eines Hilfsmittels im GG. Und weil derzeit „autonomes fahren“ von beinahe jeder medialen Seite als der neue heisse Sch***** beschrieben wird: Es dürfte auch ruhig ein nett eingerichteter autonom fahrender öpv-Bus sein, der pünktlich und wo nötig auf eigener Fahrspur die Pendler zum Zug, zur Metro oder direkt zum Büro bringt. Alle, die lieber selber fahren wollen, können ja weiterhin Velo fahren.

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