Gästerad

„Ihr habt ein Rad nur für Gäste?“
Ja und wir stehen dazu.

Gut, wir haben schon ein wenig mehr Velos als der durchschnittliche Haushalt. Darunter befindet sich auch ein Birdy-Faltrad, dass wir uns gekauft haben, als wir noch fröhlich durch Europa wochenendgependelt sind. Das war praktisch, weil da (fast) jedeR draufpasst und das 2. Velo für eine gemeinsame Tour ja ohnehin am jeweiligen Ort war. Allerdings: Das Birdy ist nur ein mässig gutes Gästerad. Nicht, weil es schlecht fährt, ganz und gar nicht. Es ist aber ein Rad, dass man schlecht einfach mal über Nacht irgendwo halbseiden angeschlossen stehen lassen kann. Man würde sich einfach sehr sehr ärgern, wenn es geklaut würde.

Deshalb ein Gästerad. Das erste Exemplar davon haben wir seinerzeit für eine Praktikantin besorgt, die bei uns im 2. Stock wohnte. Das Ding war billig, zerschunden, fuhr aber und wurde garantiert nicht geklaut. So viel intellektuelle Blösse wollte sich nicht einmal hier ein Dieb geben. Bis unsere jetzige Mitbewohnerin einzog und die Mühle nun mal deutlich zu klein war für eine Frau jenseits der 170 cm. Was tun? Auf den Freiluftmärkten bin ich sehr reserviert, wenn ich dort gute Angebote sehe, ist dort meist ein Haken dran, in Form eines unbekannten Erstbesitzers. Die vertrauenswürdigen Märkte finden auch nicht jede Woche statt, dennoch lief mir etwas zu. Glück braucht man manchmal. Ein Villiger Bernadino, Damenrahmen, Höhe 52 cm – und vom Erstbesitzer, nachweislich. Mehr kann man nicht wollen für einen Hunderter.

Mit dem Siebenganggetriebe kommt man die Hügel hoch und runter, die VBrakes bremsen ernsthaft, der Korb am Lenker ist für Kleinkram praktisch und einen Nabendynamo mit LED ist auch dabei. Der Kettenschutz musst zwar jetzt den vergangenen 15 Jahren UV-Bestrahlung Tribut zollen, aber das sind Peanuts gegenüber den Zuständen der meisten Räder die gebraucht angeboten werden. Machen mussten wir bisher auch wenig dran. Einen durchgescheuerten Bremszug tauschen, einmal die Noname Bremsklötze wechseln, der Rest ist gut in Schuss wie es ist. Somit können wir jedem Gast anbieten mobil zu sein, ohne gleich für 100 Meter ein KFZ nutzen zu müssen.

 

 

©MF

©MF, Das waren noch Zeiten, als man Stahlrahmen „made in Suisse“ produzierte.

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