Willkommen in Utopistan

Ab und an stellen wir uns mal vor, was denn passiert, wenn der „heiße Scheiß“, den so mancher Produzent als grandioses Zukunftsszenario verkauft, Wirklichkeit wird.

Das muss man nicht immer bierernst nehmen, aber interessante Gedankenexperimente können ja nie schaden, oder? Fertig? Anfangen? OK.

 

Elektrokraftfahrzeug

Vulgo, das Elektroauto, gilt ja als die Inkarnation der Zukunft und wer etwas auf sich und sein Kleingeld und Geltungsbedürfnis hält, stellt heutzutage neben seinen Porsche einen Tesla.
Vorteile? Eine Menge. Ein gutes E-KFZ ist wesentlich leiser, das macht weniger Lärm, zudem können (nicht müssen), die umweltbelastenden Emissionen deutlich verringert werden, je nach Art der Stromerzeugung und am Fahrzeug selbst entsteht kein Abgas, allerdings weiterhin Feinstaub in Form von Reifen- und Bremsenabrieb.

Stellen wir uns nun einmal vor, innerhalb eines Jahres gäbe es nur noch E-KFZ und der gesamte Fuhrpark würde innerhalb diesen Jahres ausgetauscht, dank der Förderung, bei der die Staaten keine Kosten und Mühen scheuen. Das wäre die Zukunft. Wäre sie denn auch erstrebenswert?

Immerhin wäre weiterhin die gleiche Anzahl an KFZ auf den Straßen unterwegs und der Stau wäre halt „elektrisch“. Zudem, wenn wir jetzt mal bis zum Ende denken, wenn es sich dann noch um „selbstfahrende“ KFZ handelt, kriegt man vielleicht den einen oder anderen Stau abgemildert, aber an allen Stellen, an denen zuviel Fahrzeuge auf zu wenig Straße gleichzeitig treffen ändert sich nichts und zumeist ist jeglicher Platz für „mehr Straße“ an diesen Punkten ohnehin erschöpft.

Andererseits ist es nicht unwahrscheinlich, dass gerade in Ballungszentren mit ungünstiger Topographie (z.B. Stuttgart), die Luftverbesserung spürbar sein könnte. Das steht und fällt allerdings unter der Prämisse, dass das „saubere“ KFZ in seiner Zahl konstant bleibt, was nach bisherigen Erfahrungen mit Straßenerweiterungen zumindest fraglich ist. Auch wer die folgenden Grafik ansieht, wird feststellen, wie wenig sich dabei verändert, wenn man ein E vor das KFZ setzt, selbst bei den Umweltbelastungen fallen eben nicht alle Tafeln weg.

©UBA

©UBA

Wenn wir weiterhin betrachten, wofür ein KFZ tatsächlich benutzt wird und das kombinieren mit der Tatsache, dass seit dem Inkrafttreten des sog. „Kioto-Protokolls“, der Anteil des Verkehrs an den Gesamtemissionen zugenommen hat und der absolute Wert der privaten KFZ-Emissionen praktisch kaum gesunken ist, dann kann ein E-KFZ natürlich Hoffnungen wecken, dass ein elementares Problem der Erde mit technischen Neuerungen zu lösen ist. Dieser Wert würde aber nur dann wirklich sinken, wenn die Energiegewinnung für den Strom der E-KFZ keine weiteren Emissionen hervorbringt.

©UBA

©UBA, Während insgesamt die Emissionen um etwa 20-25% gesenkt wurden…

 

©UBA

©UBA, …sieht es beim KFZ-Anteil sehr mager aus, nicht einmal 3% wurden erreicht. Zudem wurden die Verringerungen beim Benziner erkauft mit Steigerungen beim Diesel aufgrund des steigenden Anteils von Diesel-KFZ am Gesamtbestand.

 

©UBA

©UBA, nur 5% nutzen ein KFZ für den Urlaub.

Sie sehen richtig liebe LeserInnen, über die Hälfte des sog. MIV, also der Nutzung eines privaten KFZ, werden für Einkauf und Freizeit veranschlagt. Daran ändert ein Elektroauto gar nichts und wie oben schon beschrieben wird das Verkehrschaos gerade zu Stoßzeiten kaum merklich anders ausfallen, selbst wenn alle KFZ autonom steuernde Modelle sind. Praktisch kein Mensch käme wirklich früher an, mit weniger Zeitaufwand oder deutlich entspannter. Dass sich zudem auch nur ein Funken am gespannten Verhältnis zwischen Velocipisten und KFZ-FahrerInnen ändern würde ist angesichts des eingeübten Sozialverhaltens auch nicht unbedingt wahrscheinlich. Das alles sind bisher völlig unhaltbare Versprechen, dass mit ein wenig verändertem Luxuskonsum die Welt schon wieder gut werden kann. Übrigens: Dass dabei selten bis nie von Velos oder E-Velos die Rede ist – alles reiner Zufall!

Die Welt aber ist nicht gut.

Advertisements