Was uns mit dem Steinzeitmenschen und diesen mit dem Primaten verbindet

Es ist der Gebrauch von Werkzeug. Jeder der ein Velo hat, braucht es irgendwann einmal und wird mit einem Schlag zum Primaten, den vermutlich einzigen Spezies die wie wir nicht nur Werkzeuge gebrauchen, sondern auch entwickeln können.

Die Nutzung geschieht meist getrieben von Notwendigkeiten und ohne großes Nachdenken. So wie eben Velofahren. Bis irgendwann irgendwas nicht geht und es nicht lösbar erscheint. OK, die meisten gehen dann mit ihrem Velo zum Schrauber ihres Vertrauens und der erledigt das. Mache ich bisweilen auch. Manchmal aber packt einen ja der Ehrgeiz, dann will man das Problem partout selbst lösen. Dann kommt sie wieder ins Spiel, die Werkzeugfrage, denn nicht selten stellt man fest: Hab ich nicht, brauche ich aber. Und jetzt?

Was braucht man überhaupt? (Eine oft gestellte Frage in Radforen)

Wieviel? Wovon? Und warum kostet ein Schlüsselsatz mehr als ein Kinobesuch zu zweit?

Versuchen wir uns mal an ein paar dieser „ewigen“ Fragen, vielleicht auch frei nach Kant: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?

Wissen kann ich, dass es am Velo Verbindungen gibt, die meist irgendwie befestigt werden müssen. Bei heutigen Rädern ist es üblich diese Verbindung mit Gewinden vorzunehmen. Gewinde und Schrauben können unterschiedliche Flanken, Richtungen und Masseinheiten besitzen (unter anderem). Das Prinzip kennen wir seit der sog. „Archimedischen Schraube“, also rund 2200 Jahre. Zwar wurde um 1800 die getrennte Herstellung von Aussen- und Innengewinden möglich, aber die Normung der Schraubenverbindung kam erst so richtig im II. Weltkrieg voran, als die Amerikaner vor allem sicherstellen wollten, das verteilt gefertigte Produkte zwischen den Alliierten am Ende auch wirklich zueinander passen. Ist bei Flugzeugen und ähnlichem Gerät manchmal ganz nützlich.

Was also soll ich tun? Kurz gesagt: Ehre die Schraube und misshandele sie nicht. Wie bei Kant und im richtigen Leben (genauso wie im falschen) ist das aber leichter gesagt als getan.

 

Was brauche ich?

Das Prinzip dafür ist einfach: Wenig, dafür gutes. Das gilt gerade bei begrenztem Budget. Lieber ein Mal das Geld richtig ausgegeben, als viele Male falsch. Basis bilden zumeist sog. Inbusschlüssel (genau genommen heissen die Innensechskant) plus Schraubendreher und Schraubenschlüssel. Von wem? Natürlich, manchem ist das Beste gerade gut genug, die können bedenkenlos zu Stahlwille greifen. Aus der Region kommen zahlreiche Werkzeugfirmen, eine andere Region ist in Baden-Württemberg zu finden. Firmen wie Wiha, Gedore, Hazet, PBSwiss oder auch Proxxon bieten das grundsätzliche Werkzeug in sehr guter Qualität.

Spezialwerkzeuge. Braucht man die? Manchmal schneller als man denkt…. Schon beim Wechsel von Tretlager und  Kurbel oder bei der Nachfettung von Nabenlagern ist „normales“ Werkzeug ganz schnell am Ende.

Was kann ich wissen?

Das ein Standard eben nur ein Standard von vielen ist, gerade am Velo. Bevor man also denkt, ein vermeintliches „Standardteil“ zu ersetzen, lieber ein wenig länger nachdenken und recherchieren. Allein nur die derzeit gültigen Normen für Schrauben können ein mittleres Bücherregal füllen. Wohlgemerkt, das sind nur die Normen die in Deutschland oder der EU gültig sind.

Was soll ich tun?

Immer das was Freude macht. Nur dann lassen sich auch die bisweilen unvermeidlichen Rückschläge verkraften. Und die gibt es. Immer. Vor allem dann, wenn es einfach aussieht.

Was darf ich hoffen?

Auf Freude am Schrauben und ein langes Fahrradleben ohne überdrehte Schrauben und ruinierte Rahmen.

 

Zum Schluss Hochkultur, Goethe, Faust I:

Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.

Der Autor darf zwei Sätze Innensechskantschlüssel von Wiha sein Eigen nennen, dazu Zangen und Schraubendreher vom selben Hersteller. Weiterhin Maul-/Ringschlüssel, sowie weitere Zangen von Gedore, sowie Mikroschrauber (meist für den IT-Bereich…). Drehmomentschlüssel von Proxxon von 0,1 Nm bis 200 Nm, dazu Stecksätze und Knarren 1/2″ und 3/4″. Das alles zuzüglich Messwerkzeugen und Spezialwerkzeug. Gewindeschneider und Fräsen besitze ich nicht, da ich im Verhältnis diese Dinge zu selten nutze und sie bei anständiger Qualität wirklich zu teuer sind. Letztlich, wenn es wirklich um alles oder nichts geht, wird die Welt aber von Duct Tape und Kabelbindern zusammen gehalten. Fast immer.

©lilcricketnoise.deviantart.com

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2 Antworten zu “Was uns mit dem Steinzeitmenschen und diesen mit dem Primaten verbindet

  1. Was ich aber nicht wissen kann: Wieso immer erst beim Zusammensetzen rauskommt, dass ich nicht das passende Werkzeug habe (eigentlich des Pudels Kern). Auseinandernehmen geht manchmal nämlich ohne selbiges. Man nennt das Abnutzung oder Murksen, je nachdem.

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