BXL = Brüssel extra leer

„TerrorTerrorTerror!“ – gebrüllt von einer Kinderstimme war das der Klingelton eines Kollegen.

Seit Samstag gilt hierzulande „Stufe 4“, voraussichtlich bis zum kommenden Montag. Nicht nur, das etliche der Attentäter vom 13. November in Paris aus der kleinen Hauptstadt stammten, jetzt gilt für das gesamte Stadtgebiet ein „Zustand“, der in gewisser Weise an Belagerungszustand erinnert. Die Strassen sind fast so leer wie am „Autoloze Zondag“, ausser dass man an praktisch jeder Ecke Polizei- und Militärpatroullien sieht. Dem Velocipisten in mir kann das recht sein, man ist definitiv entspannter unterwegs und selbst die Ringstrassen sind keine „Nogo“-Areas mehr.

Vielleicht zu Beginn des ersten Weltkrieges, im August 1914, vor rund hundert Jahren also, war es zuletzt so angespannt still in der Stadt. Geschäfte geschlossen, nicht alle, aber sehr viele, Schulen und Universitäten geschlossen, etliche Beamte in den Behörden arbeiten nicht, oder von zu Hause aus, seit Mittwoch wird es wieder „normaler“. Natürlich, man kann sich weiterhin frei bewegen, aber man fühlt sich nicht frei. Wir sind die Präsenz von schwer bewaffneten Polizisten und Soldaten nicht gewöhnt, die nur unterstreichen was das Ziel einer jeden Terrorgruppe ist: Angst. Niemand soll sich sicher fühlen, jeden kann es treffen. Jeden, jederzeit. Das lässt sich nicht einfach abwaschen wie ein bisschen Dreck am Velo. Ja, wir sind draussen, auch beim Radfahren, aber wir sind auch in einer vergleichsweise wohlhabenden und etwas ausserhalb gelegenen Kommune beheimatet, trotzdem kriecht die Schnecke Angst gemächlich durch die Ritzen der scheinbar unerschütterlichen Zivilisiertheit des modernen Stadtmenschen.

Unsere Rechte, unser Leben zu verteidigen, das ist so leicht dahingesagt. In Wahrheit kann man im Angesicht des Verbrechens nur noch den Glauben an die Rechte sich erhalten. Durchsetzen müssen sie zumeist andere. Leider.

©PA/dpa Auch in den Galerien sind die meisten Geschäfte geschlossen, es verirren sich auch nur wenige Leute dorthin.

©PA/dpa Auch in den Galerien sind die meisten Geschäfte geschlossen, es verirren sich auch nur wenige Leute dorthin.

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2 Antworten zu “BXL = Brüssel extra leer

  1. Es läuft ja leider darauf hinaus, dass künftig viele Menschen mehr an die Rechte (Singular) als an die Rechte (Plural) glauben. Gut, wenn du der Situation was Positives abgewinnen kannst, indem du sicherer (!) Velo fahren kannst als üblich.

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