Werkstatt: Zünder und Sprengringe

Fährt man, wie wir, länger mit dem Velo in den Urlaub, denkt man sich ein paar Szenarien aus, was technisch (wirklich nur technisch, für alles andere fragen Sie bitte ihren Scheidungsanwalt!) so alles schiefgehen kann, unterwegs. Daraus leitet sich eine gewisse Menge an Werkzeug und kleineren Spezialhelfern ab, die man dann mitnimmt, Motto: Don’t blame it on the Leatherman.

Ist die Reise dann vorbei, alles ist gut überstanden und der Alltag kommt wieder, denkt man: alles in Butter. Bis die Frau eines Tages heimkommt und sagt: Meine Schaltung ist irgendwie total verstellt. Recht hat sie. Kein Gang rastet so richtig dort ein, wo er sein müsste. Warum nur, so plötzlich und warum nicht im Urlaub? Wobei, es hat auch sein Gutes, Defekte vor der Haustür zu haben, dann ist wirklich alles Werkzeug griffbereit. Gesagt, getan, noch einmal mit dem Rad um den Block und prompt klemmt sich die Kette auf dem letzten und 9. Ritzel ein. Hm??? Ja wirklich, der mehrere Millimeter grosse Spalt zwischen dem letzten Ritzel und dem Ausfallende ist – weg. Der „restliche“ Zahnkranz sitzt aber schon dort, wo er hingehört. Es hilft nichts, alles raus und siehe da:

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Das 9. Ritzel fällt mir entgegen, ok, kann passieren, aber mit dem verschraubten Abschlussring? Der ist auch wirklich fest. Wie man sieht, wenn man das Ritzel einmal umdreht:

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Das steckt noch was drin. Was? Ich gebe zu, ein paar Momente habe ich gebraucht, um zu realisieren, was da wirklich passiert ist. Anscheinend hat es die Freilaufkassette gesprengt. Vermutlich ein kleiner Materialfehler, doch angesichts der Kräfte, die auf Kassette, Zahnkranz und eben auch auf den Verschlussring wirken, reichen schon Kleinigkeiten, um diese Verbindung wieder zu lösen, ohne anderweitiges Zutun. Zumal das Gewinde in der Kassette alleine schon beim befestigen 40-60 Nm aushalten muss. Der Blick auf den (ausgebauten) Kassettenkörper beseitigt die Restzweifel:

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Glücklicherweise waren Hinterrad und darin eingespeichte Nabe nicht allzu exotisch und halbwegs aktuell, sodass es möglich war, einen Ersatzkassettenkörper (ist das nicht ein tolles Wort?!) zu bestellen und einzubauen. Abgesehen davon, dass man für den Wechsel des Kassettenkörpers die Lagerachse und die Kugellager demontieren muss, braucht man für den Wechsel lediglich einen 8mm Innensechskant. Insofern war das tatsächlich einfach. Weniger einfach ist es, die Frage zu klären, welcher Abschlussring denn nun passt, denn ein neues 11-Zahn-Ritzel zu bekommen, war ebenfalls problemlos, aber der Ring…Es gibt welche für verschiedene Ritzelgrössen (logisch) und welche für RR- und MTB-Kassetten. Wo ist bei letzterem der Unterschied? Da war in den Dokumentationen nichts zu finden. Mittlerweile darf man sagen: Es gibt keinen. Ich habe letztlich einen DuraAce Ring mit einerm 11er XT-Ritzel „verheiratet“ und das hält. Bisher.

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