Blick über den Zaun: Kampagnen für und wider das Velo

Da im Moment Darth Vader die zweite deutsche Republik heimsucht, haben wir mal einen subjektiven Blick über den Zaun gewagt, was denn andere Länder so treiben, wenn von Sicherheit der Verkehrsteilnehmer  und speziell von RadlerInnen, die Rede ist. Die Auswahl ist natürlich willkürlich und ungerecht, wir sind ja nicht im Großkanton zu Hause…

 

Schweiz

Friedrich Dürrenmatt wird dieses Bonmot zugeschrieben: „Biedermann und die Brandstifter ist ein ganz und gar unzutreffendes Buch für die Schweiz, denn wie jedermann weiß, ist man hierzulande brandversichert.“ Für die Unfallverhütung ist die BFU zuständig und legt in regelmäßigen Abständen Kampagnen rund um die Verkehrssicherheit auf. Wenn wir exemplarisch zwei von diesen Kampagnen der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart betrachten, erkennen wir ein gemischtes Bild: Einerseits werden pauschal alle Teilnehmer ermahnt erst zu schauen und sich dann zu bewegen (was generell empfehlenswert ist, genauso wie erst zu denken und dann zu machen), andererseits wird eine sog. „Liebeskampagne“ initiiert, die zuerst darauf abhebt, immer mit Helm auf dem Velo zu fahren. Zwiespältig wie seinerzeit Zwingli. Das es dafür die Arbeit einer „renommierten“ Werbeagentur gebraucht hat erstaunt ein wenig, bei den Kollegen von Velopflock ist genügend Grant zu finden, was die Sinnhaftigkeit der neuesten Kampagne betrifft.

©BFU.ch

©BFU.ch

©BFU.ch

©BFU.ch

 

Belgien

Das Königreich der Anarchie kennt seine Pappenheimer. Die sog. „Bob-Kampagne“, die jedes Jahr erneuert wird, zielt praktisch immer auf Autofahrer und ihr individuelles Fehlerverhalten. Alkohol am Steuer war für den letzten Winter das beherrschende Thema. Tatsächlich ist gerade im ländlichen Süden das ein echtes Thema… Die Radler werden dagegen vom „Fietsersbond“ unter die Fittiche genommen, sofern sie denn des Niederländischen mächtig sind und dessen Stoßrichtung ist ganz klar, je mehr RadlerInnen auf der Strasse sind, desto besser für ALLE Verkehrsteilnehmer. Das francophone Äquivalent GRACQ besteht ganz klar auf der Formel „Helm ja, aber freiwillig“, denn es geht um Selbstschutz und keinesfalls um den Schutz bei Kollisionen mit wesentlich stärkeren motorisierten Fahrzeugen (auch der Autor hat sich schon aus eigener Doofheit eine Platzwunde am Kopf geholt, die ein Helm tatsächlich verhindern kann…). Was noch fehlt: Das die Lokalpolizei Eltern und Kindern explizit empfiehlt den Weg zur Schule mit dem Velo statt mit dem PKW zurückzulegen. Stattdessen wird die korrekte Nutzung der „Kiss&Ride“-Zonen vor den Schulen kontrolliert. Da ist noch Luft nach oben…

©http://www.ikbob.be/

©http://www.ikbob.be/

http://fietsersbond.be/node/4861

 

Und die Deutschen?

Wenn sie nicht gerade Werbung für StarWars machen, dann machen sie Kampagnen zu sog. „Geisterradlern“. So wie die Stadt Frankfurt am Main 2012. Ist das wirklich das Problem?

©adfc-sachsen.de

©adfc-sachsen.de

 

Werfen wir mal einen Blick über den Teich, nach NYC.

©looknyc.org

©looknyc.org

©looknyc.org

©looknyc.org

Das ist doch ein Unterschied, oder?

 

Niederlande

Das andere Königreich, das des Calvinismus. Der dortige Fietsersbond feiert dieses Jahr 40. Jubiläum und die Ausrichtung ist ganz klar: Beim Punkt „Kinder & Fahrrad“ wird unter dem Punkt „Risiko“ das Verheddern von Kinderfüßen in die Speichen genannt, dann lange: nichts. Daher auch kein Bild. So geht positive Ermutigung…

http://www.fietsersbond.nl

 

Österreich

Eine arg umfangreiche Website bietet Argus. Wie machen die das? Diese Frage stelle ich später noch einmal. Jedenfalls machen Sie ein Magazin, das in Design wie Inhalt wirklich vorbildlich ist.

©radlobby.at

©radlobby.at

http://www.argus.or.at

http://www.drahtesel.or.at

https://www.radlobby.at

 

Dänemark

Gilt ja als eines DER Vorzeigeländer und der dortige Fahrradverband hat sogar eine deutsche Website.

http://www.cyklistforbundet.dk/deutsch

 

Und die anderen?

Sowohl die östlich als auch die westlich gelegenen Nachbarstaaten haben natürlich auch ihre Verbände und Vereinigungen. Zumeist haben die dortigen Webseiten allerdings keine englischen oder deutschen Portalseiten, sodaß man wirklich nur mit guten Fremdsprachenkenntnissen verfolgen kann was sich dort tut (oder nicht). Gerade in den östlich von Oder, Neiße und bayerischem Wald gelegen Staaten passiert etliches Interessantes, Spannendes, so viel kann man vorweg nehmen.

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Eine Antwort zu “Blick über den Zaun: Kampagnen für und wider das Velo

  1. …tja bei den Deutschen liegt immer das Problem bei den Radlern, muß ja so sein. Denn Autofahrer, Städteplaner und Verkehrsnetzplaner haben wohl vom Papst oder gar direkt von Gott persönlich ein Unfehlbarkeitsschein. Ich glaube ich muß da mal wieder ein paar Digishots zu machen…

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