100 Tage vor 200 Jahren

Es gab noch keine Draisine, die Eisenbahn steckte in noch sehr kleinen Kinderschuhen und neben den eigenen Füßen waren Pferde (mit und ohne Kutsche dahinter) das schnellste Fortbewegungsmittel. Das kleine Königreich der Anarchie sollte erst 15 Jahre später gegründet werden und bis heute tun sich Menschen aller Altersklassen schwer, den Ort auf der Karte sicher zu lokalisieren.

Hunderttausende Soldaten trafen nur neun Tage nach dem Ende des Wiener Kongresses unmittelbar vor den Toren der späteren Landeshauptstadt aufeinander. Es sollte für nahezu 100 Jahre das grösste Aufeinandertreffen von Armeen in Europa bleiben und ist doch aus heutiger Warte sehr verblasst. Bis auf den Ortsnamen: Waterloo.

In einer für die damalige Epoche geradezu rasenden Geschwindigkeit rekrutierte Napoleon eine Armee und zog mit ihr die gut 300 km von Paris bis kurz vor Brüssel. Doch seine Gegner waren kaum langsamer als er und seine Niederlage wurde schliesslich so offensichtlich, dass sie zugleich das Ende seiner Herrschaft in Frankreich wie in Europa bedeutete. In der Folge bildetete sich die sog. „heilige Allianz“ –deren ehrlicher Name wohl eher „reaktionäre Allianz“ hätte sein müssen– die den „Ewigen Frieden“ sichern wollte und die es doch nicht vermochte, sowohl die Kerngedanken der französischen Revolution zu verbannen, als auch den Umbruch in den eigenen Gesellschaften durch die industrielle Revolution aufzuhalten. Der Friede wurde ebenfalls nur für sehr wenige Jahre bewahrt bis schliesslich das Jahr 1914 die vielfältigen Brüche in einer Form kulminierten, die es unmöglich machten eine Realisierung eines vermeintlich „guten alten“ Status Quo auch nur auf dem Papier zu realisieren. Nahezu derselbe Landstrich wurde ein weiteres Mal auf bis dahin unvorstellbare Weise verwüstet.

Die Box, die Napoleon öffnete, richtete sich nicht nur gegen ihn selbst, ihre Auswirkungen prägten den europäischen Kontinent direkt für die nächsten fast 150 Jahre und indirekt bis heute. Ihren Kern bilden nur 100 Tage vor 200 Jahren.

Im übrigen kann man von der Mehrfachhauptstadt dorthin eine recht schöne Fahrradtour absolvieren.

Eins der vielen hochidealisierten Bilder der Schlacht aus dem Legermuseum Delft

Eins der vielen hochidealisierten Bilder der Schlacht aus dem Legermuseum Delft, es zeigt die Verwundung Wilhem I. von Oranien an der Schulter während der Schlacht von Waterloo

Advertisements