Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien

Nicht mehr und es sollte nach dem 8. Mai 1945 noch drei Jahre dauern bis Karl Berbuer dieses Karnevalslied schrieb.

Mein Vater war an diesem Tag acht Jahre alt, mein Sohn ist jetzt sieben, rund drei Generationen sind seit diesem Tag vergangen. Nichts ist vergangen, wenn man ehrlich ist, zu sich selbst und zu den Mitmenschen. Ohne diesen Tag der Befreiung, sähe Deutschland, sähe Europa heute anders aus und das möge man sich besser nicht vorstellen. Wer immer glauben mag, das sei jetzt „vorbei“ der gehe durch eine nahezu beliebige Stadt auf dem europäischen Kontinent und wenn man nicht Lücken und Spuren im Stadtbild findet, dann ist man entweder dumm, oder blind, oder beides.

So wie dieser Junge stapfte auch mein Vater durch Häusertrümmer

So wie dieser Junge stapfte auch mein Vater durch Häusertrümmer

Schon ein Jahr später stritten sich die Berliner Zeitungen darum, ob man im August 1946 das 160jährige Jubiläum des Todestags von Friedrich II von Preussen begehen sollte oder nicht. Erich Kästner empfahl zu diesem Zweck einmal einen Spaziergang durch die Kaiser-Wilhelm-Str., dort fände man sicherlich genug Anlaß und Mitmenschen zum feiern (nämlich gar keine). Zu den erstaunlichen Fähigkeiten des Menschen gehört, dass er trotz allem erbittert über Steine wie die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses streiten kann, die Menschen, ob tot oder lebendig, aber nur zu gerne darüber negiert.

Wenn wir heute glauben, unsere Probleme seien so neu oder so einmalig, sollten wir einmal einen Moment innehalten und daran denken, dass trotz aller scheinbaren Gewißheiten an diesem Tag die Geschichte nicht beendet wurde, sondern weiter offen war und blieb. Unsere Perspektive von heute ermöglicht uns Stränge und Gründe zu erkennen, die damals nicht unbedingt vorgezeichnet waren. Das ist bis heute so, der Mensch ist Herr und Frau über sein Denken und Handeln in der Gegenwart.

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