Mutti ist die Mitte…

…und ich bin es nicht. Das ist auch recht offensichtlich, wenn man die Schwelle von 200 cm bei der Körpergröße überschreitet. Man kann ja für bestimmte Dinge nix, wie groß man wird ist so eine Sache davon.

Die Folgen dessen sind allerdings erheblich, zumindest wenn man sich dabei vor Augen hält, dass laut den üblichen Statistiken, mehr Menschen größer werden als noch vor 50 oder 100 Jahren. Schaut man sich nämlich um zum Beispiel nach einem Velo um sich damit fortzubewegen, stellt man sehr schnell fest, dass sich diese Statistiken noch nicht sehr weit herumgesprochen haben – immerhin gilt für Menschen die tendenziell kleiner sind genau das Gleiche, was aber noch nicht direkt auf Gleichberechtigung schliessen lässt.

Interessanterweise geht die Veloentwicklung, gerade bei den Herstellern mit großen Stückzahlen, in eine Richtung die man ganz gut mit „die Mitte zählt“ umschreiben könnte. Natürlich kann man sich jetzt aufregen und sagen, das Grössenangaben von XS bis XXL an sich schon eine Verschleierungstaktik sind, mir fällt aber viel mehr auf, das die Grösse XL bei manchen Herstellern schon bei 58 cm Rahmenhöhe beginnt, teilweise sogar noch weniger. Wohlgemerkt: Wir reden nicht von MTB, sondern von Alltagsrädern, Rennrädern und andere Velos, die nicht mit verkleinerten Rahmen arbeiten müssen. Zugleich sind diese kleineren Rahmen auch nicht länger dimensioniert, so dass ein großer Mensch darauf immer noch Platz finden könnte, Sattelstützen sind ja heute meist etwas länger als 200 mm.

Nicht erst seit meinem Reiserad ist mir dies aufgefallen. Man muss es einfach mal aussprechen: Kaum ein Hersteller hat ein Rad, bei dem eine Schrittlänge jenseits von 95 cm halbwegs eine Aussicht hätte mehr als nur „irgendwie“ auf das Rad zu passen.

Jaja, ich weiß, das sind jetzt nicht die Monsterstückzahlen, die da über den Tische gehen und für den Hersteller ist das teuer, das muß der Kunde wollen und bezahlen usw. Kenn‘ ich alles, höre ich jedes Mal, wenn ich „zum Vergnügen“ einen Veloladen betrete. Meine Erwartung ist auch nicht die, dass ich dort mindestens ein oder zwei Dutzend Räder in meiner Größe finde. Es wäre aber doch einmal bedenkenswert sich zu fragen, warum die meisten dieser Räder doch deutlich im gehobenen Preissegment angesiedelt sind, denn zwinged ist das nicht, wie ein Traditionshersteller aus Bielefeld beweist.

Schließlich: Wenn mich Verkäufer nicht einfach anstarren, sobald das Velo für mich sein soll, oder das probierte Velo wirklich wirklich zu klein ist. Ist ja nun mal keine Krankheit, mit oder ohne Ausschlag. Lieber wäre mir eine Szene wie in dem MTB-Laden an der Isar (der immer noch keine Website hat!), wo ich reinging und meinen Spruch aufsagte: Ein Fahrrad für mich bitte, vielleicht sogar ein MTB, wenn’s was passendes gibt.

Antwort: Dreh‘ dich mal um, wenn wir für den Herrn was gefunden haben, finde ich für dich auch was!

Hinter mir stand jemand, der war wirklich noch einmal 15 cm grösser als ich. Diese Lockerheit ist zwar schon fast 15 Jahre her, aber immer noch selten.

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