Gadgets auf die die Welt gewartet hat (mindestens…)

Schwaben gelten ja gemeinhin als sparsam, sogar geizig, in manchen Gegenden auch als verschroben und unsympatisch. Nun, das kann ich aus meiner gelebten Erfahrung im Musterländle nicht bestätigen. Allerdings ist mir bisweilen die Haltung des „nicht verschwenden, auch wenn man es hat“ nicht völlig unsympatisch.

Anscheinend sind in früheren Jahrhunderten viele von diesen Menschen nach Kanada ausgewandert, jedenfalls dachte ich daran, als ich neulich meine Kurbel, genauer mein Innenlager inspizieren musste. Nach einer Reise bei dem wir mit feinem Ostseesand in Berührung kamen, knirschte es aus den Lagern verdächtig so, als sei der Sand dort hinein gekommen. Da muss er wieder raus.

Nun gibt es seit einiger Zeit einen aus Osaka angestossenen Trend weg vom klassischen Vierkantlager hin zu Tretlagern, deren Lagerung aussen am Trelagergehäuse anliegt und bei denen die Kurbel auf einer Seite fix mit der Lagerachse verbunden ist. Das Ding nennt sich dann Hollowtech II, MegaExo oder GXP, um nur mal die drei Grossen zu nennen. So ein Ding habe ich an allen meinen Rädern und generell ist das Konzept tauglich und gut. Einzig beim Einbau muss man beachten, dass die Aufstandflächen des Tretlagergehäuses planparallel sind. Im Zweifel muss man nachfräsen, macht ein guter Händler problemlos.

Was aber, wenn das Lager -wie meins- beschädigt ist und nicht mehr (gut) dreht? Nun, der Marktführer hat sich entschieden, die Preise der Lager, selbst aus den Topgruppen, sind sehr übersichtlich und verkraftbar. Damit will man erreichen, dass im Schadensfall das gesamte Lager mit Gehäuse und Drum & Dran getauscht wird. Diese „Idee“ ist nicht neu und wurde schon zu „seligen“ Vierkantzeiten eingeführt. Nannte sich FAG-Lager oder Industrielagerung und war nicht immer der Weisheit letzter Schluss, was sich zum Glück deutlich gebessert hat.

Trotzdem: Die Vorteile der Einheit von Kugeln und Lagerflächen teile ich komplett und erkenne sie an, nicht aber die Einheit von Lagerung und Montagegehäuse. Was passiert denn mit den Gehäuseteilen? Werden weggeschmissen, dabei ist nichts daran kaputt! Ausserdem ist mein Innenlager deutlich teurer und einfach einen hohen zweistelligen Eurobetrag in den Müll zu werfen sehe ich nicht recht ein. Wenn man aber ein wenig genauer auf der Herstellerwebsite liest und recherchiert, dann findet man einen wirklich vorbildlichen Ersatzteilkatalog. Wirklich alles ist austauschbar. Dazu: Ein Werkzeug zum einpressen und ausdrücken der Lager aus den Montagegehäusen!

©MF, Das Lagerwekzeug in Aktion

©MF, Das Lagerwekzeug in Aktion

Das will ich haben! Ausserdem: Es kostet weniger als ein neues Innenlager und die Lagerringe und Abdeckkappen kosten weniger als ein Viertel eines neuen kompletten Innenlagers. Nach der ersten großen „Operation“ kann ich nur sagen: Es funktioniert und es ist großartig. Weil in den Dokumentationen darauf hingewiesen wurde, habe ich mir dazu noch das „Waterproof Grease“ von Phil Wood besorgt, um die Lager damit sowohl zu schmieren als auch abzudichten. Die ganze Sache dauert nicht lange, Alte Kappe abnehmen, altes Lager raus, reinigen, fetten, neues Lager rein, Dichtungsring drauf, Kappe drauf. Dauert 10 Minuten. Einzig beim aufsetzen der neuen Kunststoffkappe muss man aufpassen, dass die wirklich gerade ansetzt, sonst zerbricht sie beim einpressen, Übungssache.

Gerade wer mehrfach Lager wechseln muss, für den kann das ein wirklich wichtiges und sinnvolles Werkzeug sein, überdies funktioniert es mit fast allen außen liegenden Lagerschalen. Wobei man beachten muss, dass die Lager aus Osaka spezielle Abmessungen aufweisen, die man nicht an jeder Ecke bekommt. Ansonsten ganz klar eine Empfehlung besonder für Besitzer von teureren Lagern.

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