Freie Schnöselstadt HH

Neulich war ich mal wieder in der Stadt mit dem amtlichen Kennzeichen HH und ihren fast 1,8 Mill. Einwohnern. Ich habe vor etlichen Jahren dortselbst einmal gelebt und habe mir an einem freien Nachmittag die relativ neu gestaltete Speicherstadt und Hafencity angeschaut und gestaunt. Nein, nicht über die Architektur. Ein paar schön renovierte Speicher sind ja ganz nett, aber die neu gebauten Klötze symbolisieren nichts, ausser dass sich daran unzählige Immobilienfirmen gesund gestossen haben (auf wessen Kosten tut hier mal nix zur Sache).

Wenn man Google Maps und StreetView nutzt, sieht man an dieser Kreuzung noch nichts von den fertigen Gebäuden, das ist kein Schaden, was man aber sehr wohl erkennen kann: Keine Radspur, kein Radweg, nur mehrspurige Autostrassen. Ein paar Abstellplätze für Räder gibt es immerhin, aber mehr als ein Placebo kann es nicht sein, oder werden die Räder zum Abstellplatz geflogen?

Noch mal mit Karte, einfach auf Streetview wechseln und man sieht genug:

Ich meine: „Hallo?!“ Seid ihr eine „Freie und Hansestadt“, wie es im offiziellen Titel heisst, oder nur eine „korrupte und verfilzte Stadt der oberen Zehntausend“? Fussläufig von dieser Strasse bin ich gegen 18 Uhr über die Willy-Brandt-Strasse. Was man dort sehen konnte, unterschied sich nur graduell von dem was man auf diesem Foto sehen kann:

Foto: ©ThomasSD, Wikipedia Könnte Bangkok sein...oder doch Hamburg?

Foto: ©ThomasSD, Wikipedia
Könnte Bangkok sein…oder doch Hamburg?

Ausweislich Wikipedia verfügt Hamburg über Radwege, Zitat: „Hamburg verfügt über etwa 1700 Kilometer Radwege in oft marodem Zustand. Beim ADFC-Fahrradklima-Test 2005, einer Radfahrer-Befragung, hat Hamburg als schlechteste aller 28 beteiligten Städte über 200.000 Einwohner abgeschnitten.“

Man sollte meinen, seit 2005 (!!!), also seit fast 10 Jahren, könnte man etwas dazugelernt haben, besonders bei der Neugestaltung eines Stadtquartiers in Innenstadtlage. Das Resultat: Ein leeres Nichts aus Geld, Protz und schlechtem Geschmack und eine Elbphilhamonie, die weder fertig, noch je ein anderes Versprechen bisher eingelöst hat und vermutlich einer der finanziellen Sargnägel der Stadt werden wird. Stattdessen hat man Autostrassen mehrspurig bauen lassen, damit noch mehr Autos in die Innenstadt gelotst werden, für die man wiederum Parkplätze braucht und die zu den Stosszeiten mehr stehen als fahren. Parkplätze? Ist für die Stadt kein Problem, denn die „privaten Investoren“ haben sich ja Tiefgaragen für Ihre Porsches und Jaguars bauen lassen. Wenn man nach den Firmenschildern gehen kann, ist der dort verbaute Beton gut angelegtes Geld für Banken, Hedgefonds, Anwälte, Notare, Unternehmensberater und Werbeagenturen. Sie plündern die Stadt, nicht wie seinerzeit die Kreuzritter, das ist zu offensichtlich und zu primitiv, man hält sich ja für intelligent. Sie machen es wie Viren, die einen Organimus umprogrammieren in ihrem Sinn. Ihnen geht es um „Stadtentwicklung“, „Fortschritt“, natürlich „Arbeitsplätze“ und „Attraktivität“ – alles Begriffe, die verschleiern sollen, dass eine Stadt Geld in die Hand nimmt, damit einzelne Personen oder Firmen ihren persönlichen Gewinn optimieren.

Wenn es nicht andere (ärmere!) Städte gäbe, die es nicht wenigstens minimal besser machen, man könnte sehr daran zweifeln, wie es um die Intelligenz der Menschheit bestellt ist. So wie sie ist, ist die HafenCity eine riesengrosse vertane Chance.

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