Werkstatt (immer mal wiederkehrend)

Mit 14 war es ein leichtes für mich ein Pflichtpraktikum an der Realschule zu machen. Ich bin in die nächste Velowerkstatt und habe gefragt, ob sie Praktikanten, die schon was können, auch nehmen. Der Meister nahm die grosse Klappe mit Humor und schon hatte ich mein Praktikum. Und einen Wochenendjob. Denn nach dem Praktikum bot mir der Meister an, den Wochenenddienst zu machen. Da es dafür auch gutes Geld gab, war ich einverstanden. Mit Beginn des Abiturs war aber erst einmal Schluss.

Für lange Zeit. Ein Grund dafür ist, dass ich recht gross gewachsen bin und wenn mir ein Rad kaputt geht, ist die Suche nach einem neuen Begleiter ziemlich aufwendig und meist alles andere als günstig. Deshalb bin ich viele Jahre kein Rad gefahren, bis es wieder passte, das Geld, das Rad und der Spass auch. Die Frage der Werkstatt stellte sich anfangs überhaupt nicht. Ich hatte das Rad in einem der besten Läden der Stadt erworben und die dortige Werkstatt war jeden Cent wert. Erst mit den folgenden Umzügen aus der Stadt weg wurde langsam aber sicher das Thema Werkstatt wieder virulent. Der letzte Tritt kam mit meinem Umzug in die ehemals niederländischen Südprovinzen. Dort ist zwar Radeln ein Volkssport, aber die Werkstätten sind teilweise gruselig.

Nachdem bei meiner Werkstatt das Personal mal wieder fröhlich rotierte und ich in Folge mein Alltagstrekkingrad nach einer „Wartung“ in schlechterem Zustand zurück bekamt, als ich es abgeliefert hatte, musste ich mich mit der Einsicht anfreunden, doch mal wieder selbst Hand anzulegen. Nichts an dieser Einsicht war schlecht, bis dato hatte ich halt meiner Faulheit freien Lauf gelassen und das hatte viel für sich. Da ich in der Zwischenzeit auch nicht völlig „werkzeuglos“ gelebt hatte, war das Anfangen auch nicht weiter schwierig. In der Zwischenzeit habe ich wieder mehr Zeit um mich um meine Räder und die von anderen Leuten manchmal auch, zu kümmern und so viel selber zu machen wie es mir Spass macht. Nach einem reichlich nervtötenden Abend, der damit begann, dass die Liebste „nur mal eben“ die Schrauben ihres am Hinterbau befestigten Seitenständers nachziehen wollte, die daraufhin prompt im Gewinde abbrachen und mir einen Einbau eine Zweibeinständers hinterm Tretlager bescherten, habe ich mich sogar dazu entschlossen, meinem Rücken etwas Schonung in Form eines Montageständers angedeihen zu lassen.

Mittlerweile mache ich wieder so viel selbst, wie mir Spass macht. Also im Grunde genommen alles, bis auf Steuersatz und Fräsarbeiten, weil die Werkzeuge dafür unglaublich teuer sind und ich sie bestenfalls einmal in zwei Jahren wirklich benötige. Zudem bestimme ich dann selbst, welchen Qualitätsmassstab ich ansetzen will und welche Teile wirklich verbaut sind. Und das Meiste davon ist nicht so schwer, dass man es nicht lernen könnte. Deswegen versuche ich hier von Zeit zu Zeit (also unregelmässig) von Dingen aus der Werkstatt zu berichten, die so oder so jeder schon einmal erlebt hat.

So sieht es aus in der Werkstatt, wenn mal nix los. Nach Reisen ist das aber oft anders...

So sieht es aus in der Werkstatt, wenn mal nix los. Nach Reisen ist das aber oft anders…

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2 Antworten zu “Werkstatt (immer mal wiederkehrend)

  1. Wow ! Soviel Platz hab ich noch nicht mal. Außer ich „treibe“ mich auf der Terrasse rum, wie nachher…

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