Fahrrad Monitor 2013

Jedes Jahr gibt es das. Eine Umfrage im Auftrag der Bundesregierung zur Fahrradnutzung, zum Kauf und drumherum. So weit so schön. Manchmal steht da belangloses drin, manchmal interessantes.

Ich beschränke mich also auf das was mir auffällt.

Die Kollegin Andrea Riedl, hat hier schon so einiges davon aufgearbeitet und ich will das jetzt nicht alles noch einmal herunterbeten, das Orginal gibt es kostenlos als PDF und die meisten Menschen in Europa können lesen, wenn auch nicht deutsch. Egal.Was mich erstaunt, sind mehrere Dinge:

Jeder Haushalt besitzt rechnerisch 2,5 Räder. Trotzdem ist es irgendwie nicht möglich, dieses Mobilitätspotenzial für den Alltag zu heben. Klar gibt es Velostädte, aber eben nicht überall, da ist noch viel Luft nach oben.

Eine Möglichkeit: Der Wunsch nach kombinierter Mobilität, der immerhin von einem starken Drittel geäussert wird. Das sollte der Bahn und allen Verkehrsbetrieben noch einmal zu denken geben. Speziell dass ich im TGV ohne Probleme nach Voranmeldung ein Velo mitnehmen kann, aber nicht im ICE ist so eine Sache, die nicht ins 21. Jahrhundert gehört.

Schliesslich noch eine Schlusspointe: Bekanntlich besteht ein Auto aus vielen Bauteilen, meistens von Zulieferern. Zugespizt könnte man sagen, das ein beliebiges Auto eine Mischung aus Bosch, Continental und ZF darstellt. Mit ein bisschen Thyssen-Krupp Pleiteblech dran. Trotzdem haben die Hersteller ein Markenbewusstsein geschaffen und erhalten, teilweise über Jahrzehnte.

Beim Fahrrad geht das nicht, anscheinend. Weniger als die Hälfte kennen die Herstellermarke ihres Velos. Man möge mir jetzt bitte nicht damit kommen „Die werden ja eh‘ alle in Fernost zusammen gekloppt“, siehe oben. Ich behaupte, dass da einige Hersteller noch viel tun können, wenn sie wollen.

Bei den Komponenten, also den Zulieferern, ist das ja in der Regel kein Problem. Shimano, SRAM, Campagnolo, Ritchey usw. sind ja keine völlig Unbekannte.

Zum Schluss noch etwas zu „Was man mit Statistik alles machen kann“: Der Durchschnittspreis ist mal wieder gestiegen, auf 658 EUR pro Neuvelo. Erst mal ist das für den Handel erfreulich und für einen jeden Menschen viel Geld. Dahinter aber verbirgt sich, das eine nicht ganz kleine Menge elektrisch unterstützter Räder zu deutlich höheren Preisen verkauft werden. Das ist OK. Auf der anderen Seite aber, bleiben meine Augen und Ohren immer noch viel zu oft bei Anfragen kleben, in denen ein neues Rad nicht mehr als 300 EUR kosten soll und darf. Das passt nicht zusammen. Selbst wenn wir die obigen 658 EUR in Rechnung stellen und dagegen halten, dass es einerseits viel weniger Arbeitsstunden bedarf als noch in den 60ern um ein solche Velo zu erwerben, bleibt doch eine solche Summe für einen Grossteil der Abgehängten 4-6 Mio. Empfänger von staatlichen Unterstützungsleistungen völlig unerreichbar.

Müntefering hat mal in einem Inteview gesagt: „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen.“ Anscheined soll er sich auch nicht mehr fortbewegen.

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